Ein guter Umgang mit der Natur und Schöpfung

24/07/2026

Es braucht eine tiefer begründete, eine spirituelle Beziehung zur Natur und unserer Schöpfung. Wir müssen unsere Umwelt als heiligen Ort betrachten. Die Schönheit, die uns umgibt, als etwas wahrnehmen, hinter dem ein großer, ja ein göttlicher Plan steckt.
Daher gilt es, die Welt mit neuen Augen anzuschauen, nicht aus der Perspektive des Besitzen- oder Beherrschenwollens, sondern mit Augen, die bestaunen und bewundern, die immer wieder das Neue und Schöne in unserer Welt wahrnehmen.

Ich möchte mit meinen Werken die Schöpfung darstellen und sie so zur Sprache kommen lassen, dass die Dinge zu leuchten beginnen. Wenn die Natur uns aufleuchtet, beginnen wir vielleicht auch, etwas sorgsamer mit ihr umzugehen. Denn die Natur spiegelt unseren Umgang mit ihr zurück. Die Natur ist unser Lehrmeister. Wir können das Werden und Vergehen, das Aufblühen und Vergehen, die Zartheit einer Blume und die große Kraft eines Baums bewundern. So werden wir in das Geheimnis des eigenen Seins geführt.
So lässt sich aus dem Geheimnis der Natur auch das Geheimnis Gottes erahnen. Es ist mir wichtig, mit meinen Arbeiten der Schöpfung eine Stimme zu geben. Es ist eine Stimme, die uns in die stille Betrachtung einlädt, die Schönheit und den Reichtum zu betrachten, uns Zeit zu nehmen, tiefer in das Geheimnis der Natur einzudringen. Es ist mir wichtig eine Haltung der Ehrfurcht und der Empathie für die Natur zu erzeugen, für die, die uns umgibt, und die, die in uns steckt.
Schauen wir auf die Natur, so ist es auch immer ein Blick auf uns selbst, da wir Teil der Natur sind. Es geht um unsere innere Verbindung dazu. Sie ist ein Spiegel für das empfindsame und störbare Gemüt.

Die Umgebung, in der wir als Kinder aufgewachsen sind, Hügel und Wälder, das flache Feld, vielleicht ein Bach, erinnert uns auch an das Gefühl von Geborgenheit und Liebe, sofern wir die erfahren durften. Vielleicht war die Natur aber auch Zufluchtsort nach einer enttäuschten Liebe, oder einer wenig behüteten Kindheit. Sie ist somit voll von Erfahrungen und Erinnerungen. Ich erinnere mich an alte Verletzungen, und sie ist dadurch zugleich auch ein Ort der Zuflucht und Geborgenheit. Hier darf ich einfach sein mit all meinen Gefühlen. Die Begegnung mit der Natur gibt den Empfindungen Resonanz und weitet so die Welt der innersten Erfahrung.

Es wäre schön, wenn wir eine Liebe zur Schöpfung entwickeln, in der uns die Liebe Gottes entgegen strömt.

In den unten stehenden Zeilen von Simone Weil aus, Schwerkraft und Gnade habe ich mich wiedergefunden und möchte sie Ihnen deswegen auch nicht vorenthalten:

Das, was der Bleistift für mich ist, wenn ich geschlossenen Auges mit seiner Spitze den Tisch abtaste – dies für Christus sein. Wir haben die Möglichkeit, Mittler zu sein zwischen Gott und jenem Teil der Schöpfung, der uns anvertraut ist. Es bedarf unserer Einwilligung, dass er durch uns hindurch seine Schöpfung wahrnehme. Mit unserer Einwilligung wirkt er dieses Wunder. Es genügte, dass es mir gelungen wäre, mich aus meiner eigenen Seele zurückzuziehen, damit diesem Tisch hier vor mir das unvergleichliche Glück widerführe, von Gott gesehen zu werden. Gott kann in uns nichts lieben als diese Einwilligung, uns zurückzuziehen, um ihn hindurchzulassen, wie er selbst, als Schöpfer, sich zurückgezogen hat, um uns ein Sein zu lassen. Diese doppelte Operation hat keinen anderen Sinn als die Liebe, wie der Vater seinem Kinde das gibt, was das Kind in den Stand setzt, ihm zu seinem Geburtstag ein Geschenk zu machen. Gott, der nichts anderes ist als Liebe, hat nichts anderes erschaffen als Liebe.

Simone Weil