Gräser fallen einem vielleicht nicht direkt ins Auge

10/08/2026

Die Gräser fallen einem vielleicht beim Betreten eines Gartens oder einer Wiese nicht sofort ins Auge. Denn bei der Pracht der schönen, farbigen Blumen in der Natur, übersieht man oft die Schönheit derjenigen Pflanzen, die man im engeren Sinne des Wortes Gras zu nennen pflegt.
Vielleicht auch deswegen, weil es häufig wächst und überall gefunden wird.
Jede Wiese ist ein Schauplatz der Wunder unserer Schöpfung und daher verdient z.B. das Gras die gleiche Beachtung wie eine für unser Auge zuerst auffallendere Blume.
Vielleicht würde das Gras mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wenn seine Fortpflanzung mehr Sorgfalt und Mühe brauchte; aber ist es nicht gut, dass es ohne unsere Pflege überall aufwächst? Selbst unter widrigsten Bedingungen, wie z. B. auf der Autobahn zwischen den Fahrstreifen.

Ich frage mich, wie öde wäre unsere Umwelt ohne Gräser, die zudem noch einen hohen Nutzen für viele Tiere und deren Ernährung haben? Zudem ist Grün für unser Auge eine äußerst angenehme Farbe. Erst dadurch kommt auch etwas Farbiges in seiner ganzen Pracht zur vollen Geltung. Es ist ein Faszinosum, wie die Natur sich eingerichtet hat und alles in allem wirkt. Für mich ein wunderbar heiliger Ort. In dem ich mich kostenlos bewegen kann und sich in kürzester Zeit mein Körper und meine Seele erholen. Es gibt für mich kaum etwas Schöneres, als wenn ich morgens mit unserem Hund spazieren gehe und ich in einem Grünstreifen das im Wind wiegende Gras beobachten darf. Es ist eine zutiefst spirituelle Erfahrung, in der ich nicht selten vor Kreativität geradezu sprühe und neue Ideen entstehen.

Ich nutze das Prinzip der Leere in meiner Kunst und lege meine ganze Konzentration auf ein Objekt, um ihm so den ganzen Raum zu überlassen, dass es sich voll entfalten kann. Pflanzen oder Objekte, die ich nicht suche, sondern die mir bei meinen kontemplativen Spaziergängen in der Natur einfach entgegenkommen. Nicht selten kommen mir Gräser entgegen, vielleicht auch, weil in meinem Unterbewusstsein diese kleinen Wunderwerke eine so große Faszination ausüben.

Es entstehen so Lichtzeichnungen, die Ruhe ausstrahlen und wirken wie ein Gedicht, zu dem man immer wieder zurückkehrt. Es ist ein Lesen zwischen den Zeilen, denn gerade das, was man nicht sieht oder liest, regt an und versetzt uns in einen Zustand der kontemplativen Ruhe.