Das Leere

Im alltäglichen Leben stoßen wir auf vielerlei Beispiele der Leere. Das Loch ist
ein Beispiel. Im Loch ist nichts, wird aber definiert durch das Außenherum. Laotse sagte:
– Dass SEIN und NICHTSEIN sich gegenseitig erzeugen. Sie können nicht unabhängig voneinander sein -
Das Sichtbare bildet die Form eines Werkes, aber das, was wir nicht sehen, macht genau seinen Wert aus. Leider können wir oft mit der Leere, dem Nichts nicht mehr umgehen. Wir sind an
hektisches Treiben gewöhnt, an eine Bilderflut, die einem nahezu überall begegnet. Gestern war ich in einer Apotheke und musste eine Weile warten. Dabei sah ich mich ein wenig im Bereich der Kasse um. Im Regal dahinter hing ein Monitor, der mich permanent versuchte, mit Produktbildern in hektischer Reihenfolge zu bombardieren. Je mehr wir mit Informationen zugeballert werden, desto höher müssen die Reize werden, damit wir überhaupt noch etwas wahrnehmen! Stichwort Reizüberflutung: Ja, kein ganz neues Phänomen unserer Zeit.
Dabei sind die Leere und das weite Leere etwas Wunderbares, fast schon Mystisches. Das weite Leere ist das Erhabene in der Waagerechten … die weit gedehnte Wüste, oder die gleichförmige Steppe, um zwei kurze Beispiele zu nennen, welche die weite Leere gut umschreiben.
Wie das Dunkel und das Schweigen (hierauf gehe ich in einem meiner nächsten Posts ein), so ist die Leere eine Negation, aber eine solche, welche alles Dieses und Hier wegschafft, damit das ganz andere Akt wird. Nichtsein und Leere sind grundlegende Konzepte, die das Sein erst ermöglichen und eine dialektische Beziehung zueinander haben.
Der leere Raum ist allmächtig, weil er allumfassend ist. Im leeren Raum erst, wird Bewegung möglich. Ich weise in meiner Arbeit dem leeren Raum oft das Dunkel zu. Das Dunkel muss für mich so beschaffen sein, dass es durch einen Kontrast gehoben und damit wahrnehmbar gemacht wird. Erst das dadurch entstehende Halbdunkel entwickelt eine Mystik, die das Leere ganz und gar offenbaren. Der Eindruck vollendet sich, wenn es sich mit dem Hilfsmoment des Erhabenen verbindet.
Für mich sind solche Momente von großer Kostbarkeit, wenn ich es schaffe, mich in einem Werk vollkommen zu verlieren und dadurch selbst mein tiefstes Inneres zu spüren. Dies möchte ich auch mit meinen eigenen Werken erreichen. Deswegen bemühe ich mich, eine radikale Reduktion zu gewinnen, um so der Leere einen immer größeren Raum zu geben. Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch eine Textpassage, die ich bei Dr. Ursula Baatz gefunden habe, nicht vorenthalten.
Abt und Zenmeister Dōgen schrieb: „Wenn menschliche Lebewesen Erleuchtung erhalten, ist dies wie der Mond, der sich im Wasser spiegelt. Der Mond erscheint im Wasser, aber wird nicht nass, und das Wasser wird nicht durch den Mond gestört. Das Licht des Mondes bedeckt die Erde und kann dennoch in einem kleinen Teich, einem winzigen Tautropfen und sogar in einem allerkleinsten Wassertröpfchen enthalten sein." (in Baatz, 1983, S. 37).
Für mich ist das Leere ein wesentlicher Baustein meiner Arbeiten, aber nicht der einzige. Wie das Licht des Mondes legen sich über meine Arbeiten im Prozeß der Enstehung noch das Schweigen, das Wundern, das Erhabene, die Gefühlsgesellung, das Numinose und ich lasse mich vom Heiligen berühren. Was ich im speziellen damit meine, darüber möchte ich Ihnen in einem meiner nächsten Posts hier schreiben.